Behandlung von Leisten- und Bauchwandhernien

Hernien, auch Brüche genannt, kommen sehr häufig vor und gelten in ihrer chirurgischen Behandlung als absoluter Routineeingriff. 3-5% der Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens eine Hernie, Männer um ein Vielfaches häufiger als Frauen.

Bemerkbar machen sich Brüche meist durch einen ziehenden Schmerz bei körperlicher Anstrengung, ebenfalls können Überlkeit, Erbrechen und Schwindel auftreten. Besonders charakteristisch ist bei Hernien die Geschwulstbildung an der Bruchstelle. Hernien heilen nicht von selbst ab - um Komplikationen wie beiwpielsweise Einklemmungen oder weiteren Weichteilverletzungen zuvorzukommen, sollte deshalb eine möglichst schnelle operative Schließung der Bruchstelle erfolgen.

Leistenhernien

Welche Formen der Leistenhernie gibt es?

  • die direkte (mediale) Leistenhernie
  • die indirekte (laterale) Leistenhernie
  • die angeborene Leistenhernie
  • die erworbene Leistenhernie

Woraus besteht eine Hernie?

  • Bruchpforte: die Lücke, aus der der Bruchinhalt austritt
  • Bruchsack: die ausgestülpte Bauchfelltasche
  • Bruchinhalt: die ausgestülpten Bestandteile des Bauchinnenraums

Was ist eine Schenkelhernie?

Wenn die Bruchpforte einer Hernie unterhalb des Leistenbandes liegt, spricht man von einer Schenkelhernie. Sie tritt in der Mehrheit bei Frauen auf, bevorzugt im fortgeschittenen Alter, und wird in gleicher Weise wie eine Leistenhernie operiert.

Was sind die Symptome einer Leistenhernie?

Druckgefühl und häufig auch sicht- und fühlbare Schwellung in der Leiste mit gelegentlichen Schmerzen, die durch körperliche Belastung verstärkt werden können. Meistens verschwinden die Beschwerden in Ruhe oder im Liegen.

Wie wird eine Leistenhernie diagnostiziert?

Die Diagnose einer Leistenhernie erfolgt durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung. Eine Ultraschalluntersuchung kann zusätzlich hilfreich sein, wenn der Verdacht einer Einklemmung des Bruchinhaltes besteht.

Was ist eine inkarzerierte Hernie?

Bei der inkarzerierten Hernie kommt es im Bruchsack zu einem Einklemmen von Organanteilen oder großem Bauchnetz mit der Folge einer Durchblutungsstörung. Die Symptome hierfür sind: anhaltende Schmerzen in der Leiste beim Vorliegen eines Bruches, gegebenenfalls in Kombination mit Stuhlverhalt.

Eine inkarzerierte Hernie stellt einen absolut lebensbedrohlichen Notfall dar und muss sofort operiert werden.

Welche Operationsmethoden gibt es?

 
Offenes Vorgehen:

Freilegung der Bruchpforte über einen Schnitt, der Inhalt wird in die Bauchhöhle zurück verlagert, der Bruchsack wird verschlossen. Danach erfolgt der Verschluss der Bruchpforte.
Hierfür gibt es verschiedene Methoden:

  • Shouldice-Technik (Naht der einzelnen Lagen)
  • Lichtenstein-Technik (mit Implantation eines Kunststoffnetzes)
  • Plug-und-Patch-Technik (zusätzliches Versenken des Bruchsackes durch ein spezielles teilresorbierendes Netz)

Laparoskopisches Vorgehen:

(Schlüsselloch-Technik, „Knopflochoperation“, TAPP: transabdominale praeperitoneale Hernioplastik): Hierbei wird ein Netz vom Bauchraum aus nach Eröffnen des Bauchfells vor dieses auf die Bruchpforte platziert. Dieses Operationsverfahren wird bevorzugt bei doppelseitigen Hernien und Rezidiven (erneutes Auftreten eines Bruches) nach früheren Operationen angewendet.

Ist eine Vollnarkose zur Versorgung einer Leistenhernie zwingend notwendig?

Nein, bei offenem Vorgehen ist ein regionales Anästhesieverfahren (keine Vollnarkose) ausreichend. Bei einer „Knopflochoperation“ ist eine Narkose erforderlich.

 

Bauchwandhernien

Was sind Bauchwandhernien?

Austreten von Baucheingeweiden (Bruchinhalt) durch eine Bauchwandlücke (Bruchpforte) in einen Bruchsack.

Welche Bauchwandhernien gibt es?

  • Narbenhernien: Sie treten nach einer Operation im Verlauf der Narbe auf
  • Nabelhernien oder epigastrische Hernien: Diese liegen direkt am oder oberhalb des Nabels in der Mittellinie
  • Seltene Formen: Spieghel-Hernien, Richter-Hernien, Littré-Hernien

Muss jede Bauchwandhernie operiert werden?

Im Prinzip schon, denn es besteht immer die potentielle Gefahr einer Einklemmung der Baucheingeweide in der Bruchlücke bis zum Darmverschluss. Bei großen Brüchen kann man individuell entscheiden, ob eine abwartende Haltung gerechtfertigt ist.

Welche Operationsmethoden gibt es?

  • ohne Kunststoffnetz: direkter Verschluss der Bruchlücke (nur bei sehr kleinen Brüchen)
  • mit Kunststoffnetz: Die einfache Naht der Muskellücke ist mit einer sehr hohen und damit unbefriedigenden Rate an erneutem Auftreten eines Bruches an dieser Stelle verbunden. Der Bruchlückenverschluss sollte daher bevorzugt mit einem Kunststoffnetz erfolgen
  • konventionelle, offene Netzplastik: Fixierung der Netze unterhalb der Bauchwandmuskulatur zum Verschluss der Bruchlücke
  • Laparoskopische ("Schlüsselloch") Netzplastik: In vielen Fällen lässt sich durch einen erfahrenen Operateur auch nach früheren Operationen die Narbe über eine Bauchspiegelung versorgen. Die Verwachsungen des Darms mit der vorderen Bauchwand werden gelöst und der Bruch mit einem speziell beschichteten Netz von innen verschlossen.