St. Elisabethen - Krankenhaus Frankfurt/Main
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Harnblasenkrebs

TUR-Blase (1)
TUR-Blase (2)
TUR-Blase (3)
Zystektomie und Harnableitung mit nassem Stoma (1)
Zystektomie und Harnableitung mit nassem Stoma (2)
Zystektomie und Harnableitung mit nassem Stoma (3)
Zystektomie und Harnableitung mit nassem Stoma (4)

Der Harnblasenkrebs ist der 5. häufigste Tumor des Menschen, in Deutschland erkranken zurzeit etwa 16.000 Patienten neu an dieser Erkrankung. Die Männer sind etwa 3x so häufig betroffen. Es ist meist eine Tumorerkrankung die zwischen dem 65 -70 Lebensjahr auftritt.

Erfreulicherweise können ca. 75-80 % der Patienten mit einem kleinen operativen Eingriff durch die Harnröhre (trans-urethrale Blasentumorresektion = TUR-Blase) geheilt werden.

Bei ca. 20 % der Patienten liegt jedoch ein aggressiver Blasenkrebs vor, der durch die Schleimhaut hindurch bereits Anschluss an die Lymphbahnen gefunden haben kann oder die Muskulatur der Harnblase befallen hat. Patienten mit einem solchen Erkrankungsbild können durch die alleinige Ausschabung des Blasentumors durch die Harnröhre hindurch nicht geheilt werden, in diesem Falle stehen folgende Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:

Radikale Blasen- und Prostataentfernung (beim Mann) radikale Blasen- und ggf. komplette Entfernung der Gebärmutter und Eierstöcke beidseits (bei der Frau) und Harnableitung mit einer Dünndarm-Ersatzblase (Ileum-Neoblase) oder Bildung eines Dünndarmstomas (Illeum Conduit) TUR-Blase und nachfolgende Radio-Chemotherapie

 Erläuterungen zu den Harnableitungen:

1. Ersatzblasenbildung aus Dünndarm: 

Hierbei wird aus 60-70 cm Dünndarm eine sogenannte „Ersatzblase“ gebildet und die beiden Harnleiter in dieser implantiert, die Ersatzblase wird anschließend an die Harnröhre von innen im Becken genäht. Für den Patienten bedeutet dies, dass er ohne einen künstlichen Urinausgang zur Toilette geht. Er wird sich jedoch seine Toilettengänge nach der Uhr alle 2 -3 Stunden und auch nachts 1-2 x einteilen müssen, da über die Ersatzblase keine Rückmeldung über den Füllungszustand an das Gehirn kommt. Ferner muss der Patient die Harnblase mit der Bauchpresse und mit dem Handdruck auf den Unterbauch entleeren. Eine passagere und in ca. 10-20% dauerhafter Harninkontinenz kann postoperativ auftreten. Bei Frauen ist ferner eine Überkontinenz, d. h. die Unfähigkeit den Urin vollständig aus der Ersatzblase zu entleeren möglich, hierbei besteht die weitere Therapie in einem sterilen Selbstkatheterismus oder Harndauerableitung mittels eines Katheters.

2. Illeum-Konduit (= nasses Urinstoma) 

Hierbei wird ein ca. 15 cm langes Dünndarmsegment aus der Darmkontinuität ausgeschaltet und die Harnleiter in dieses implantiert, das andere Ende des Dünndarmes wird durch die Bauchdecke gezogen und in die Haut implantiert. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass der Harn über das Darmsegment ohne Widerstand in den Beutel abfließen kann und somit möglichst die Anzahl der Engstellenbildung im Bereich der Bauchdecke gering gehalten wird. Der Patient wird noch stationär zur Selbstversorgung dieses Hautstomas angeleitet. Die Akzeptanz dieser auf den ersten Blick entstellend wirkenden Harnableitung ist durch die Patienten groß. Vergleicht man die Zufriedenheit der Patienten die ein Illeumkonduit oder eine Illeumneoblase bekommen haben miteinander, so sind beide Vergleichsgruppen in gleicher Art zufrieden mit der Lebensqualität. Das Illeumkonduit wird unserseits insbesondere bei älteren Patienten (> 75. Lebensjahr) angewandt, da diese Patientengruppe ein deutlich erhöhtes Risiko der bleibenden Harninkontinenz und damit einhergehenden Lebensqualitätminderung haben.

Besondere Untersuchungsverfahren bei Harnblasencarcinomen:

Fluoreszenz Zystoskopie (fotodynamische Diagnostik)

Bislang galt die alleinige Weisslicht - Zystoskopie zur Diagnostik oder Tumornachsorge bei bekannten Harnblasencarcinom als die Standarduntersuchung von erhabenen (papillären) Harnblasentumoren. Insbesondere sehr kleine Befunde und nichterhabene Schleimhautveränderungen, die dem unbewaffneten Auge entgehen können, sind der sogenannten Blaulicht- oder Fluoreszenz-Zystoskopie besser zugängig. Die Besonderheit dieser Tumore ist, dass sie meist ein sehr aggressives Wachstumsmuster zeigen und zu einem Teil bereits Anschluss an die Lymphabflusswege und hiermit die Gefahr der Lymphknotenmetastasen haben. Diese Tumorformen die als Carcinoma in situ (C. i. s.) bezeichnet werden und nur ca. 5% des allgemeinen Harnblasencarcinomkrankenguts ausmachen, sprechen in ca. 50 % auf eine BCG-Therapie an und sollten in Folge mit einer Blaulicht (Hexvix ®) Zystoskopie im Rahmen der TUR-Blase-Nachresektionen kontrolliert werden.

Chemotherapie und Immuntherapie des Harnblasenkarzinoms

Bei der Chemotherapie des Harnblasentumors muss man die lokale Chemotherapie von der sogenannten systemischen Chemotherapie unterscheiden.

Lokale Chemotherapie:

Hierunter versteht man die Eingabe eines Chemotherapeutikums über einen Einmalkatheter in die Harnblase. Dies erfolgt bei oberflächlichen Harnblasentumoren entweder in Form einer sogenannten Frühinstillation, d. h. innerhalb von 24 Std. nach dem operativen Eingriff wird über den noch einliegenden Harnblasenkatheter im Rahmen des stationären Aufenthalts ein Chemotherapeutikum für ca. 1-2 Stunden in die Blase hineingegeben. Dieses Chemotherapeutikum tötet abgesprengte und in der Harnblase durch die Operation und den Spülstrom verteilte Tumorzellen in der Harnblase. Durch die niedergelassenen Urologen wird eine weiterführende Instillationstherapie mit einem Chemotherapeutikum z. B. Mitomycin ® in einem wöchentlichen Abstand ca. 2 Monate nach der TUR-Blase durchgeführt. Ziel dieser Behandlung ist die Senkung der Rate der Wiederholungstumore. Sämtliche hierfür verwendeten Chemotherapeutika können jedoch keine Tendenz des Harnblasentumors zu einem aggressiveren Wachstumsmuster mindern.

Immunmodulatorische Therapie des Harnblasencarcinoms (BCG-Therapie)

Hierbei handelt es sich um in ihrer Wirkung abgeschwächten Tuberkelbazillen (Bacille-Calmette-Guérin = BCG) die eine intensive lokale Immunreaktion der Harnblasenschleimhaut auslösen und hierüber zu einer bisher noch nicht vollständig geklärten Heilung der Carcinoma in situ-Areale führen können. Auch diese Therapie wird im Anschluss an die TUR-Blase durch Ihren Urologen vorort veranlasst.

Systemische Chemotherapie des fortgeschrittenen oder metastasierten Harnblasencarcinoms:

Sollte im Rahmen einer radikalen Harnblasenentfernung und nachfolgender Harnableitung im Rahmen der Lmphknotenentfernung eine Metastasierung der lokalen Lmphknotenstation festgestellt worden sein, oder sollte ein deutlich über die Harnblasenwand hinaus fortgeschrittener Tumorbefund vorliegen, so empfiehlt unsere Berufsgesellschaft eine intravenöse Chemotherapie. Hierbei hat sich in den letzten Jahren eine Zweifach-Therapie mit deutlich geringerem Nebenwirkungsprofil im Vergleich zur zuvor durchgeführten Mehrfachchemotherapie durchgesetzt. In unserem Hause wird eine solche Chemotherapie (Gemcitabin / Cisplatin) teils stationär, teils ambulant durchgeführt.

Sollten Sie hierzu Fragen haben, so wenden Sie sich bitte an Ihren zuständigen Urologen oder auf Wunsch im Rahmen einer Zweitmeinung über unsere Oberarztsprechstunde. Die Terminvereinbarung kann über unser Sekretariat erfolgen (069/7939-2426)