Inkontinenz gehört zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen, wird jedoch vielfach nicht offen angesprochen. Schätzungen zufolge leben in Deutschland mehrere Millionen Menschen mit Harn- oder Stuhlinkontinenz; Frauen sind besonders häufig betroffen.
Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie des St. Elisabethen Krankenhauses bündeln ihre Kompetenzen bei der Behandlung von Blasen-, Darm- und Beckenbodenfunktionsstörungen und setzen die sakrale Neuromodulation fachübergreifend ein: In der Allgemeinchirurgie wendet Dr. med. Eun Young Cho, Sektionsleiterin Beckenboden- und Enddarmchirurgie, das Verfahren vor allem zur Behandlung von Stuhlinkontinenz bei Frauen und Männern an. Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe nutzt die Therapie bei Patientinnen mit überaktiver Blase und Dranginkontinenz. Durch die enge Zusammenarbeit beider Fachbereiche entsteht ein umfassendes Behandlungsangebot für unterschiedliche Funktionsstörungen von Blase, Darm und Beckenboden.
„Stuhlinkontinenz wird häufig aus Scham verschwiegen, obwohl sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten kann die sakrale Neuromodulation nach Ausschöpfung konservativer Behandlungen eine weitere Therapieoption sein“, so Dr. med. Eun Young Cho, Sektionsleiterin Beckenboden- und Enddarmchirurgie. „Meine Erfahrung mit diesem Verfahren bringe ich in die enge Zusammenarbeit mit der Gynäkologie ein. So können wir die Behandlung gezielt am jeweiligen Beschwerdebild ausrichten.“ Am Beginn der Therapie stehen in der Regel konservative Maßnahmen wie Beckenboden- und Verhaltenstraining, Anpassungen des Lebensstils sowie – abhängig vom Krankheitsbild – eine medikamentöse Behandlung. Bleiben diese Maßnahmen ohne ausreichenden Erfolg, kann der Blasenschrittmacher nach einer ausführlichen Diagnostik eine weitere Möglichkeit sein.
Die sakrale Neuromodulation setzt an der nervlichen Steuerung bestimmter funktioneller Störungen von Blase und Darm an. Dabei werden die Sakralnerven, die an der Kontrolle der Blasen- und Darmfunktion beteiligt sind, durch sanfte elektrische Impulse stimuliert. Das Grundprinzip ähnelt dem eines Herzschrittmachers. Über eine dünne Elektrode werden Signale an die entsprechenden Nerven weitergeleitet, um die Kommunikation zwischen Gehirn, Blase und Darm zu beeinflussen. Je nach Krankheitsbild können dadurch Beschwerden wie starker Harndrang, häufiges Wasserlassen, ungewollter Urinverlust, eine unzureichende Blasenentleerung oder bestimmte Formen der Stuhlinkontinenz gelindert werden. Dadurch können sie mehr Sicherheit, Selbstständigkeit und Planbarkeit im Alltag zurückgewinnen. Wie stark sich die Beschwerden verbessern, ist individuell unterschiedlich.
„Viele Patientinnen haben bereits einen langen Leidensweg hinter sich, bevor sie sich in einer spezialisierten Sprechstunde vorstellen. Nicht selten bestimmen die Sorge vor dem nächsten Toilettengang oder vor ungewolltem Urin- oder Stuhlverlust den gesamten Alltag“, sagt Dr. med. Jessica Fuhlbrügge, Oberärztin Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Elisabethen Krankenhaus. „Mit dem Blasenschrittmacher erweitern wir unser gynäkologisches Behandlungsangebot um eine etablierte Therapie, die gezielt auf die persönliche Situation der Betroffenen abgestimmt werden kann.“
Ein wesentlicher Vorteil für die Patienten und Patientinnen besteht darin, dass die Wirkung der Therapie vor einer dauerhaften Implantation erprobt werden kann. „Während einer Testphase wird geprüft, ob die Stimulation im persönlichen Alltag zu einer spürbaren Verbesserung führt. Erst wenn ein Patient oder eine Patientin von der Behandlung profitiert, wird gemeinsam über die dauerhafte Implantation entschieden“, erklärt Dr. Uwe Eissler, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Elisabethen Krankenhaus. „Der Schrittmacher wird anschließend in einem minimalinvasiven Eingriff unter der Haut eingesetzt, ist von außen in der Regel nicht zu erkennen und kann individuell eingestellt werden. Die Therapie ist grundsätzlich reversibel.“
Mit der fachübergreifenden Anwendung der sakralen Neuromodulation erweitert das St. Elisabethen Krankenhaus sein Behandlungsangebot bei Harn- und Stuhlinkontinenz. Patientinnen und Patienten aus dem Rhein-Main-Gebiet werden je nach Beschwerdebild in der Gynäkologie oder Allgemeinchirurgie behandelt und von der Diagnostik bis zur Nachsorge begleitet. Abhängig von den Beschwerden übernehmen Gynäkologie oder Allgemeinchirurgie die weitere Diagnostik, stellen die Indikation und führen Testphase und Implantation durch. Der fachübergreifende Austausch ermöglicht es, auch komplexe Funktionsstörungen von Blase, Darm und Beckenboden differenziert zu beurteilen.
Über das St. Elisabethen Krankenhaus Frankfurt
Das St. Elisabethen Krankenhaus in Frankfurt Bockenheim blickt auf eine lange Tradition als zentrale Anlaufstelle in der Grund- und Regelversorgung der Region zurück und hat sich gleichzeitig als hochspezialisierter Anbieter medizinischer Leistungen etabliert. Seit der Übernahme durch die Artemed Klinikgruppe im August 2019 zeichnet sich das Haus durch klare fachliche Schwerpunkte und die Ausbildung interdisziplinärer Zentren aus. Es ist Teil des universitären Thoraxzentrums Frankfurt und verfügt außerdem über ein Zentrum für Verdauungsorgane, ein Zentrum für den Bewegungsapparat mit einem Alterstraumazentrum sowie ein Zentrum für Gynäkologie und Geburtshilfe und Schmerztherapie.
https://www.elisabethen-krankenhaus-frankfurt.de/
Über die Artemed SE
Die Artemed Gruppe mit Sitz im oberbayerischen Tutzing ist ein mittelständisch geprägtes Gesundheitsunternehmen mit über 10.000 Mitarbeitern, dem 19 Krankenhäuser in ganz Deutschland und zwei in China angehören. Weiter betreibt die Artemed durch eine eigene Stiftung medizinische Projekte in Myanmar, Tansania und Bolivien. Die Artemed Kliniken zeichnen sich durch höchste klinische Kompetenz sowohl in der Grund- und Regelversorgung, in der Not- und Dringlichkeitsversorgung sowie hochspezialisierten medizinischen Bereichen aus.
















